Viva Buenos Aures

7.Juli

Ganz ehrlich. Es interessiert doch niemanden, dass wir den Tag verpennen. Das Wetter: Perfektes Couchwetter. Naß und kalt. Ungemütlich. Falscher Ort.

Nachmittags: Ich raffe mich auf. Ein Spaziergang durch den Regen. Frühstück. Zeit um über die letzten Tage nachzudenken.

Es ist skurril. Aufregend. Abenteuerlich. Schwierig es zu verarbeiten. Täglich neue Eindrücke. Neue Menschen. Buenos Aires saugt mich bzw. uns auf. Es ist herzlich. Die Stadt ist anders als Berlin. Melbourne, New York oder London. Diese Städte ticken ziemlich gleich. Buenos Aires hat zwar einen kruden Verkehr, ist aber trotzdem sehr relaxed. Es wirkt weniger hektisch. Gemächlich.

Die Stadt ist anders. Schön. Durchaus. Auch wenn die Patina hier und da einen Neuanstrich bräuchte. Was für schöne Bauten. Auch wenn sie hier und da verfallen. Gleichermaßen ist die Armut noch offensichtlicher. Das weiß man. Man rechnet damit. Jede Großstadt hat ihre Schattenseiten. Trotzdem ist man erschrocken. Spätestens wenn eine Familie komplett vor einem Supermarkt „wohnt“ oder du beiläufig regelmäßig Matratzenlager findest. Eingebettet ins Stadtbild.

Ja, man sollte auch einige Ecken wohl meiden. Die Slums, die man passiert, zeigen wieder mal, was alles schief läuft. Doof. Wenn man bedenkt, dass Argentinien eigentlich ein verdammt reiches Land ist/ war. Die Fehler der Vergangenheit werden scheinbar fleißig in die Zukunft getragen.

Nichtsdestotrotz: Buenos Aires ist eine Reise wert! Der Reiz, noch ein paar Wochen durch Südamerika zu reisen, verdammt groß!

Das mal am Rande.

Samstag. Der Abend naht. Die zweite Show steht an. „Seid um 21h da.“ Raus in die „Suburbs“. Ca. 25Km von der City entfernt. Bahn fahren. Und dann einen 20minütigen Marsch durch die Gassen. Nennen wir es „Villa Aledina.“ Mittelschicht. Irgendwo ein versteckter Club. Club GBR. Gespielt wird in einer Garage. Abgefahren. Klein. Fein. Familiär. Mutti hockt in der Küche bereitet die leckersten Empandas zu. Klar. Gegen Cash. Aber: Sie sind jeden Peso wert!

Die erste Band existiert seit 30Jahren. Ska! Die Drums kamen leider aus der Konserve. Aber: schon sehr cool.

Dann Undenkbar. Ein historischer Moment. Die Band war erstmalig fast komplett nüchtern auf der Bühne. Belohnt wurde es mit technischen Problemen. Passiert. Egal. Das Publikum ist mehr als wohlwollend. Sie honorieren es, dass da 10Leute in den Flieger steigen um einfach hier Mucke zu machen. Für umme und null Freibier. Fuck off. Wenn juckt es. Der Trip und die Erfahrung ist unbezahlbar. Darauf ein Cerveza!

Wir haben den Respekt von unseren argentinischen Kollegen.

Liebesspieler von den Hosen als Zugabe. Gekonnt gab es Textschwächen. Von mir. Egal. Ich wurde überrumpelt. Aber: Tschaka. Die Bucketlist hat nun einen Punkt weniger. Augenzwinkern.

Gepflegte Konversationen. Shake Hands. Noch ein Cerveza.

Abmarsch. Ab in die Droschken. Die Nacht spuckt uns aus.

Es ist 6h.

Ein Gedanke zu „Viva Buenos Aures

  1. Soooooo mega gut beschrieben, geschrieben, als wäre man dabei.
    Mach das beruflich oder für andere,gegen Pesos ;-).
    Weiterhin viel Spass und grüße an die Bande.
    Hasta luego!

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